19. DGGL-Förderpreis - Ulrich Wolf 2011
Mitarbeit: Stefanie Ruhmke, Florian Steyer
Erläuterungstext
Nachdem die IBA Hamburg die Frage nach der Stadt der Zukunft zu beantworten versucht, stellt sich gleichermaßen die Frage nach dem Charakter der Freiräume in diesem Stadtgefüge. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Frage nach flexiblen, anpassungsfähigen und individuellen Freiräumen im Bezug zu gleichermaßen definierten Innenräumen und darüber hinaus für die zeitweilige, öffentliche Präsentation im Rahmen einer Gartenbauausstellung zu beantworten.
Gartenhöfe
Die Strategie im Umgang mit den Gartenhöfen gliedert sich in zwei Ebenen. Zum einen hat jeder Eigentümer die Möglichkeit, seinen privaten Freiraum in einem vorgegebenen Rahmen nach eigenen Bedürfnissen anzupassen. Zum anderen wird durch die Weitergabe der Information über diese Gestaltungsmöglichkeiten an die Gartenschaubesucher die Möglichkeit gegeben, auf persönliche Vorlieben oder Lebensweisen der Besitzer zu schließen.
Die Grundthemen der Gartenhöfe orientieren sich an den drei Grundfarben und folgen ähnlichen gestalterischen Prinzipien. Nach persönlichem Geschmack können Bewohner die Art des Sonnenschutzes und je nach gewünschtem Zeitaufwand die Pflanzintensität ihres Gartens wählen. Die Auswahl der Höhe und Breite des Sichtschutzes sollte dann mit den künftigen Nachbarn getroffen werden. Die Vorgabe dieses Baukastensystems bietet den künftigen Nutzern eine Vielzahl von individuellen Kombinationsmöglichkeiten und garantiert gleichzeitig eine Qualität, die dem Anspruch einer Gartenbauausstellung gerecht wird.
Ein stets durch Richtungsänderungen verlangsamter Weg führt die Besucher der Gartenbauausstellung fließend durch die Höfe ohne umkehren zu müssen, verbindet alle Privatflächen untereinander und ist durch eine Erhöhung gegenüber den Terrassen nutzbarer Übergangsbereich zur angrenzenden Gemeinschaftsfläche. Am Weg angeordnet finden sich Sitzmauern, die aufklappbar, wie auf dem Quartiersplatz, Stauraum für Garten- und Spielgeräte bieten. Darüber hinaus bindet er die Wege außerhalb der großen Hecke im Park, und damit Wasserflächen, Restauration und Spielwiese, an.
Die Gemeinschaftsflächen bilden gestalterisch das Gegenstück zu den kleinteiligen Privatflächen. Hier wird der Raum offen gehalten für Bewegung, Spiel und Zusammensein. Dezente Baumpflanzungen schaffen Schatten und die Möglichkeit Hängematten aufzuspannen.
Durch die Möglichkeit der individuellen Freiraumgestaltung besteht getreu dem Motto der Gartenschau theoretisch die Chance auf 80 unterschiedliche Gärten, die sich in ihrem Wesen ähneln und somit als eine zurückhaltenden Einheit erscheinen, aber doch wahrnehmbar zu unterscheiden sind. Oft ist schon der Schritt auf des Nachbars Terrasse ein Schritt in eine andere Welt
Information
Die Infostele jedes Gartenhofes gibt dem Gartenschaubesucher alle Informationen über mögliche Gestaltungsvarianten der Anlieger. Dem Besucher wird ermöglicht das flexible System zu verstehen und daraus auf die einzelnen Charaktere der Wohngemeinschaften zu schließen. Durch das innovative Baukastensystem und der Information über dieses wird dem Anspruch der experimentellen Baugemeinschaften entsprochen, die sich bewusst für eine teils öffentliche Lebensweise in Zeitraum der Gartenschau entschieden haben. Für die Besucher wird das Wandeln durch die Höfe somit auch zum Entdecken eigener Vorlieben. Es wird die Frage auftauchen, wie man selbst gehandelt oder gestaltet hätte und es werden sofort unzählige Handlungsweisen anhand gebauter Beispiele sichtbar.
Quartiersplatz
Der zentrale Quartiersplatz wird bewusst deutlich von der Gestaltung der Gartenhöfe unterschieden, da dieser von allen Anliegern des Schlöperstiegs genutzt wird. Durch die Anordnung vielfältig nutzbarer Funktionselemente wird ein fließender Raum geschaffen, der sich spielerisch in unterschiedliche aber zusammenhängende Bereiche –sitzen-spielen-ruhen- gliedert. Die Altbäume werden ebenso wie die auszuweisenden Stellplätze durch besondere Möbel gefasst, die Sitzmöglichkeit und Stauraum für gemeinsame Spielgeräte bieten. Zum anderen sind die Möbel als Hochbeete für Neupflanzungen oder die Aufnahme der drei Altbäume bestimmt.
Die notwendigen Pflegewege werden als Multifunktionsflächen in die Platzgestaltung einbezogen und sind unter anderem als Boulefläche zu nutzen.
Aufgrund der geringen Größe des Platzes wird bewusste auf hohe Elemente zur Abtrennung einzelner Bereiche verzichtet und somit ein vielseitig nutzbarer Ort aktiver Begegnung geschaffen, der zum Zusammenleben einlädt.
Freiraum der Zukunft
Der Freiraum der Zukunft definiert sich individuell wie seine Nutzer, die ihr Lebensumfeld in seinen Proportionen aktiv beeinflussen und somit ihr Lebensgefühl selbst bestimmen. Neben Freiraumqualität werden Ansprüche an nachhaltige Bauweisen und Baustoffe wachsen. Der Entwurf reagiert mit wasserdurchlässigen, ortstypischen Belägen und einer Stadtklima verträglichen Pflanzenwahl, die zunehmende sommerliche Trockenstressperioden gut überdauet und gleichzeitig den winterlichen Temperaturen standhält.